Für die heimische Terrasse holt Dr. Markus Richter Stauseeholz aus Südamerika, klimaneut­ral unter Wasser gefällt

FRAGE: Herr Dr. Richter, Sie waren mit Ihrem Team in Südamerika und haben eine ganz neue „Holzart“ für die Terrasse entdeckt.

Dr. Markus Richter: Wir waren in Surinam, das bis 1975 eine holländische Kolonie war, die unmit­telbar am Äquator zwischen Venezuela und Brasilien liegt. Gleich nebenan in Französisch-Guayana starten die europäischen Ariane-Raketen. Surinam ist das waldreichste Land der Erde, halb so groß wie Deutschland mit so viel Einwohnern wie Bremen. 98,3 Prozent des Landes sind mit Wald be­deckt. Im Landesinnern liegt der riesige Brokopondo-Stausee. Das Tal wurde 1961 geflutet, ohne vorher die zahlreichen Tropenbäume zu fällen. Der See ist dreimal so groß wie der Bodensee, aber nicht sehr tief. Unter Wasser steht ein ganzer Wald mit 14 Millionen Kubikmetern Rundholz, der jetzt gefällt wird.

FRAGE: Das Holz wird also unter Wasser gefällt?

Dr. Markus Richter: Genau, ein Taucher fällt in mehr als 20 Metern Tiefe die Bäume mit einer pressluftgetriebenen Motorsäge. Das sind echt coole Socken, denn unter Wasser lauern Krokodile, Anakondas und Piranhas. Mit Stahlseilen werden die Bäume auf Pontons gehoben und an Land geschafft.

FRAGE: Warum treibt man diesen abenteuerlichen Aufwand?

Dr. Markus Richter: Holz, das 50 Jahre unter Wasser stand, hat erstaunliche Qualitäten und ist von Natur aus gegen viele holzzerstörende Schädlinge resistent. Trocknungsrisse treten bei Stauseeholz aufgrund der Wasserlagerung weniger auf als bei frisch gefälltem Holz. Es eignet sich hervorragend für die Terrasse, insbesondere das Guayana-Teak und Ipé. Und ganz wichtig: Wer Stauseeholz fällt, muss keinen Regenwald roden. Durch das Entfernen der Bäume aus dem See verrotten die Bäume nicht im See und setzen dabei kein Methan frei. Wer sich also Stauseeholz auf die Terrasse legt schützt das Klima doppelt.

FRAGE: Wie wird das Holz weiterverarbeitet?

Dr. Markus Richter: Dielen und Unterkonstruktion lassen wir in Surinam sägen und hobeln und sorgen so dafür, dass die Wertschöpfung vor Ort bleibt, als eine Art Entwicklungshilfe. Da man die Bäume unter Wasser nicht nach Größen und Qualitäten aussuchen kann, lassen wir die Terrassen­dielen in mehreren Breiten und 2-3 Stärken produzieren. Das hat für unsere Kunden den Vorteil, dass wir den Preis auf einem normalen Niveau halten können.

FRAGE: Welche Trends erwarten Sie 2020 bei Parkettböden?

Dr. Markus Richter: Wir haben das leistungsfähigste Parkett-Breitdielensortiment in Deutschland, breite Dielen zu unschlagbaren Preisen! Natürliche Oberflächen, starke Bürstungen, Vintagelook und supermatte Oberflächen sind die starken Themen für das neue Jahr.

FRAGE: Welche Bodenbeläge erscheinen neu am Horizont?

Dr. Markus Richter: Die neuen Hartvinylbodenbeläge kommen verstärkt in den privaten Bereich, weil sie die Vorteile von Vollvinylböden und Laminatböden vereinen, ohne deren Nachteile zu haben. Der Klang ist gedämpfter und der Untergrund stellt nicht so hohe Ansprüche wie bei Vollvinyl. Trotz­dem werden wir für die Fans von elastisch weichem Tritt auch die Vollvinylböden in vollem Umfang weiterführen. Die meisten Marktbegleiter entscheiden sich für nur eine Kategorie.

FRAGE: Neben der 1.500 qm großen Ausstellung von Parkett, Dielen und Bodenbelägen finden wir der ersten Etage eine fast ebenso große Türenausstellung. Zeichnen sich auch bei Innentüren Trends für 2020 ab?

Dr. Markus Richter: Auf jeden Fall, zwar gibt es den Trend zu weißen Türen schon seit Jahren, aber jetzt kommt es auf die verschiedenen Weißtöne an. Bei uns können Sie 100 verschiedene Türen im direkten Vergleich sehen. Erst dann erkennt man den Unterschied zwischen Weiß RAL 9016 oder 9003 und dem herkömmlichen Weiß RAL 9010. Plötzlich sieht man, wie „cre­mig“ letzteres im Vergleich zu einer wirklich strahlend weißen Tür ist. Im Zusammenspiel mit brilliantweißen Wandfarben und einer hochwertigen Beleuchtung kann so eine bisher nicht ge­kannte Klarheit in die eigenen Räume gezaubert werden. Wenn Sie Transparenz und lichtdurchflu­tete Räume lieben, können Sie sich bei uns über 40 Glastüren anschauen.

FRAGE: Sie engagieren sich verstärkt für den Heimwerker.

Dr. Markus Richter: Richtig, wir möchten dem Privatkunden die Möglichkeit geben, von der riesigen Vielfalt, die wir auf Lager haben, zu profitieren. Alleine an kunststoffbeschichteten Spanplatten bie­ten wir über 300 verschiedene Dekore und Farben an. Massivholzplatten, Leimholz oder Küchen­arbeitsplatten sägen wir auf jede gewünschte Größe zu. Wir haben eine immense Auswahl an Leis­ten, Profilbrettern, Hobelbrettern und Balken vorrätig. Eigentlich alles, was aus Holz ist, und das in Fachhandelsqualität. Unsere Küchenarbeitsplatten haben nicht die übliche dünne Beschichtung, die beim ersten heißen Topf dahinschmilzt, sondern eine aus mehreren Schichten bestehende widerstandsfähige CPL-Be­schichtung. Kaufen, wo die Profis kaufen, mit einer sachkundigen Beratung, das wollen wir auch allen Heimwerkern ermöglichen.

Anita Richter: Vor einigen Tagen hatte ich einen Kunden am Telefon, der suchte Lindenholz zum Schnitzen. Er war überglücklich, als ich ihm sagte, dass wir das vorrätig haben. Im Fachmarkt bieten wir auch ausgesuchte Lacke, Lasuren und Pflegeprodukte für Holz an, die man woanders lange suchen muss.

FRAGE: Was gibt es Neues im Außenbereich?

Anita Richter: Sichtschutzzäune aus WPC sind der Renner, weil sie anders als Holz nicht vergrauen oder „verrotten“ und zudem bezahlbar sind. Auf der Terrasse stehen Tische mit recycelten, breiten Teakholzplanken, was viel großzügiger wirkt. Geflecht wird auch 2020 aktuell bleiben. Vor allem im Loungebereich bleibt Geflecht aktuell. Es sieht mit dicken Polstern nach wie vor gemütlich aus. Im Kommen sind niedrige Loungeplattformen aus Vollaluminium, gleichschenkelig oder in L-Form. Die sind natürlich superpflegeleicht.

2020-01-29T12:17:14+00:00 29.1.2020|